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10. August 2016

Terror und die Angst vor Reisen

von Chris Werren

Da wir unsere Ski Programme in Gulmarg in Kaschmir durchführen habe ich im Verlaufe der Jahre bereits mehrere Blogs zum Thema «Sicherheit» in diesem Teil der Welt geschrieben. Wegen den steigenden Terror Anschlägen in Europa und Amerika ist die Angst vor dem Reisen weiter gestiegen und viele Menschen zögern ihren Urlaub im Ausland zu buchen, speziell in Gebieten mit einer mehrheitlich Muslimischen Bevölkerung.

 

Visit India

Taj Mahal, Indien

 

Aus meiner Sicht ist das Leben zu kurz um nicht die Dinge zu tun die wir lieben und die uns Spass machen. Deshalb beginne ich diesen Blog mit einem Zitat der taubblinden amerikanischen Schriftstellerin Helen Keller:

 “Das Leben ist entweder ein grosses Abenteuer oder Nichts.”

Für uns Reisende bedeutet dies, dass wir uns entweder den empfundenen Bedrohungen beugen und ein ereignisloses Leben zu Hause in unseren vier Wänden führen oder aber die Herausforderung annehmen und uns weigern zu Gefangenen der Angst vor durch indoktrinierten Extremisten und durchgeknallten «Psychopathen» ausgeführten Terroranschlägen zu werden.

Ich schreibe diesen Blog zu einem Zeitpunkt wo Terroranschläge im Begriff sind auch bei uns zur Normalität zu werden. Es scheint als ob die unrealistischen Erwartungen vieler Einwanderer auf ein besseres Leben bei uns, verbunden mit der fehlenden Definition und Durchsetzung von schlüssigen Assimilierungs- Massnahmen mit klaren Regeln und harschen Konsequenzen für Alle die sich nicht integrieren, zu stetig wachsenden «parallel Gesellschaftsgruppen» führen, in denen Menschen zu Hause sind, die nach einer religionsbasierenden Ideologie leben welche Terror und Gewalt gegen alle Andersdenkenden fördert und unterstützt.

Visit Nepal

Pokhara mit Fewa See und Mt. Fishtail, Nepal

In anderen Worten, heute macht es keinen Unterschied mehr ob man in ein Einkaufszentrum in München geht, einen Nachtclub in Orlando oder ein Konzert in Paris besucht, oder eine Reise nach Kabul oder Bagdad unternimmt. Die Risiken sind überall dieselben!

Die Risiken Opfer von Ereignissen mit Todesfolge zu werden

Immer mehr Menschen befürchten heute, dass sie Opfer von Terror Anschlägen werden könnten, vor allem bei Reisen ins Ausland. Es stellt sich die Frage ob diese Angst tatsächlich berechtigt ist.

Wer Angst hat Opfer von Ereignissen mit Todesfolge zu werden, sollte sich aber auch bewusst sein, dass die grösste Gefahr das Leben zu verlieren zurzeit immer noch im Strassenverkehr liegt, im Jahr 2015 haben in der EU 26’000 Personen ihr Leben bei Autounfällen verloren, zahlreiche weitere Personen wurden dabei verletzt.

Die Anzahl Menschen die 2015 Opfer von kriminellen Tötungsdelikten wurden betrug in Europe 22’000 Personen.

Im Zusammenhang mit Reisen ist es auch wichtig zu wissen, dass in den letzten fünf Jahren weltweit weniger als 1’000 Menschen pro Jahr ihr Leben bei Flugzeug Unfällen verloren haben.

Die letzten Zahlen die in diesem Zusammenhang noch erwähnt werden sollen, sind die Anzahl Terror Todesopfer in Europa in der Periode November 2015 bis März 2016. Die Statistiken zeigen, dass in diesem Zeitraum in 9 Terror Anschlägen 194 Menschen ihr Leben verloren haben. Es ist unbestritten, dass diese Zahlen in den vergangenen Wochen gestiegen sind, trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sein Leben bei einem Verkehrsunfall verliert immer noch erheblich höher.

Weltweit zählte man in der gleichen Periode total 236 Terror Anschläge mit 2’168 Todesopfern.

Die Wahrscheinlichkeit im eigenen Land an den Folgen eines Verkehrsunfalls zu sterben ist daher immer noch deutlicher höher als im Ausland von Terroristen getötet zu werden!

Frankreich Reise

Paris, Frankreich

Dank dem Internet und den sozialen Medien erhalten wir heute vollständige und unzensierte Informationen darüber was an anderen Orten auf der Welt geschieht. Es kann dabei beruhigend oder beängstigend wirken festzustellen, dass die Globalisierung inzwischen alle Bereiche unseres Lebens beeinflusst, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell und in Bezug auf unsere Sicherheit. Schritt für Schritt werden wir zu gleichaussehenden Gesellschaftsgruppen mit identischen Lebensumständen, egal an welchem Ort der Welt wir uns gerade befinden.

Ob zu Hause oder in der weiten Welt die Gefahren lauern überall!

Wir haben die Wahl, wir können entweder zu Hause bleiben, in einem als «sicher» empfunden Umfeld und einfach existieren, oder Abenteuer wagen und zu neuen Horizonten aufbrechen und aktiv leben. Für mich ist die Wahl klar – Das Leben ist ein Abenteuer, wir sollten das Risiko wählen und alle Möglichkeiten nutzen die das Leben uns bietet und es geniessen so lange wir noch können.

Sicherheit beim Skifahren in Kaschmir im Winter 2016 – 2017

Da wir unsere Pulverschnee und Freeride Programme in Gulmarg in Kaschmir durchführen, möchte ich hier auf die Frage «wie sicher ist es dort?» ein paar Antworten geben. Vor der Beurteilung der aktuellen Lage möchte ich aber darauf hinweisen, dass die Gefahrenlage in Kaschmir im Grossen und Ganzen so geblieben ist wie ich sie in meinen früheren Blogs beschrieben habe: Gefahren in Kaschmir – Mein FazitGulmarg Ski Reise – SicherheitsaspekteSicherheit in Kaschmir

Eine Reise nach Kaschmir ist auch heute nicht gefährlicher als an irgendeinen anderen Ort auf dieser Welt. Zur Unterstützung meiner Aussage hier ein paar harte Fakten:

2015 wurden in Kaschmir total 20 Personen bei Terror Anschlägen getötet, davon waren 4 Zivilisten.

Im Zeitraum 1991 bis 2015 sind in Kaschmir insgesamt 29 ausländische Touristen von Terror Anschlägen betroffen worden. Dabei wurden 2 Personen bei Granaten Anschlägen in Srinagar verletzt, 27 Personen wurden verschleppt, 23 davon wurden nach einiger Zeit unverletzt frei gelassen. 4 ausländische Personen wurden während diesen 15 Jahren leider getötet.

In der Periode 2011 bis 2015 sind nur 3 ausländische Personen Opfer von Terror Anschlägen geworden, alle bei einem Granaten Anschlag während einer Protestaktion in Srinagar, 2 Personen wurden dabei verletzt und 1 Person wurde getötet.

DSC01406

Gulmarg – Der Ski Ort im Himalaya

Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass das Leben in Kaschmir seit bald 70 Jahren durch regelmässige öffentliche Unruhen und Separatisten-Aufstände erschwert wird. Diese Aktionen schwächen zudem die Wirtschaft und zerstören die Tourismus Industrie. Des Weiteren haben sie dazu geführt, dass viele ausländische Ämter in unserem Teil der Welt regelmässig Reisewarnungen für Kaschmir ausstellen.

Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese Unruhen derzeit nur zum Teil vom «Radikalen Islam» provoziert werden, heute sind sie in der Regel das Ergebnis von unglücklichen und teilweise von Separatisten provozierten Aktionen welche die einheimische Bevölkerung verärgern und frustrieren. Im Rahmen dieser Unruhen kommt es häufig zu emotional gesteuerten Gewaltausbrüchen von mehrheitlich jugendlichen Protestgruppen im Alter von 14 bis 20 Jahren, die sich vor allem gegen die lokalen Sicherheitskräfte und die indische Armee richten.

Die meisten dieser Unruhen fanden bisher im Sommer statt und dauerten in der Regel zwischen ein paar Wochen und bis zu max. 3 Monaten.

Während diesen Unruhen versucht der wütende Mob primär durch Werfen von Steinen oder «Molotow-Cocktails» und zu einem geringen Teil mit Schusswaffen die Sicherheitskräfte in die Enge zu treiben. Polizei und Armee wehren sich dagegen mit den jeweils erforderlichen Mitteln; hauptsächlich mit Kurzdistanz-Luftgewehren mit Gummigeschossen oder Bleischrott-Munition, Tränengas und Wasserwerfern, und falls die Armee eingreifen muss mit scharfer Munition.

Unglücklicherweise sind auch in diesem Sommer wieder Unruhen ausgebrochen bei denen bis jetzt 60 Personen getötet und über 6’000 verletzt worden sind. Mehr als die Hälfte der Verletzten waren Sicherheitskräfte.

Touristen kommen bei diesen Unruhen in der Regel nicht zu Schaden, vor allem, weil erfahrene Reise Organisatoren und viele Hotels genau wissen wo mit dem Mob gerechnet werden muss. Normalerweise herrscht in den bekannten Risiko Zonen oder im ganzen Distrikt auch ein striktes Ausgehverbot und nur Personen und Fahrzeuge mit speziellen Bewilligungen wird es erlaubt sich im gesperrten Bereich zu bewegen und dies auch nur an bestimmten Zeiten und auf definierten und bewachten Strassen und Zonen.

Kaschmir – Eine der am besten bewachten Gegenden in der Welt

An diesem Punkt möchte ich erwähnen, dass ich seit 2006 jedes Jahr mehrere Monate in Kaschmir verbringe. In den vergangenen Jahren sind weder die Teilnehmer an unseren Ski Programmen noch andere ausländische Besucher in Gulmarg oder ich selbst bedroht oder Opfer von Gewalttaten geworden!

Ski Trip nach Gulmarg

Dal See, Srinagar, Kaschmir

Bisher haben einige Menschen nur von einem Besuch Kaschmirs abgesehen, weil es sich um ein umstrittenes, zu Indien gehörendes Gebiet handelt auf das auch Pakistan Anspruch erhebt, und deshalb entsprechende Reise Warnungen bestehen. Wegen den zunehmenden Anschlägen von Anhängern des «Radikalen Islam» in unserem Teil der Welt haben aber immer mehr Menschen Angst vor Reisen in Gebiete mit einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung und zögern deshalb ihren Ski Urlaub in Gulmarg zu buchen.

Es kann nicht bestritten werden, dass die meisten Terror Anschläge der vergangenen Monate vom «Radikalen Islam» ausgeführt worden sind und deshalb die Angst vor Reisen in von Muslimen dominierten Gebiete berechtigt ist. In diesem Zusammenhang lohnt sich aber auch die Statistiken über Terror Anschläge in Europe in den Jahren 1970 bis 1995 anzusehen. Dabei erfahren wir, dass in diesem Zeitraum in Europe jedes Jahr zwischen 100 und 400 Personen bei Terror Anschlägen getötet worden sind. Diese Anschläge wurden zum grossen Teil von der der irischen IRA, der deutschen RAF, der spanischen ETA und der italienischen Roten Brigade ausgeführt.

Trotzdem wäre es kurzsichtig diese Zahlen als Grundlage zur Verharmlosung des hohen Gefahren Potentials das der «Radikale Islam» heute darstellt zu nutzen. Ein Jihad inspirierter Anschlag alle 83 Stunden in den vergangen 2 Monaten zeigt den aktuellen IST Zustand. Diese Zahl umfasst alle Anschläge weltweit mit Ausnahme der Anschläge in Syrien und Irak.

Um meine Aussage, dass Kaschmir zu den am besten bewachten Gebiete der Welt gehört, hier ein paar öffentlich verfügbare Zahlen über die Anzahl der Streitkräfte und Polizisten, die Gebietsgrösse und Bevölkerungszahl von Kaschmir im Vergleich zu Deutschland und Frankreich sowie der Schweiz mit einer ähnlichen Flächengrösse und Topografie wie Kaschmir. Vollständige Zahlen zur Bewaffnung und Aurüstung der jeweiligen Armeen findet man hier: Global Fire Power

Security Figures Countries

Überblick Stärke Sicherheitskräfte und andere Kennzahlen

Der Vergleich zeigt, dass die Anzahl der aktiven Sicherheitskräfte und Polizisten in Jammu und Kaschmir die Anzahl der jeweiligen Sicherheitskräfte in Deutschland und Frankreich übersteigt und dies bei weniger Einwohnern und einer Gebietsfläche die nur zwischen 8% und 12% der Gebietsflächen dieser beiden Länder umfasst! Dazu kommt, dass die Sicherheitskräfte in Kaschmir sich seit über 70 Jahren konstant mit der Bekämpfung von Unruhen und Terror Anschlägen beschäftigen.

Der guten Ordnung halber ist zu erwähnen, dass Ladakh nicht in der Gebietsgrösse inbegriffen ist (59’000 km2 Gebietsanteil, 2,2% Bevölkerungsanteil). Die angegebene Grösse der Sicherheitskräfte umfasst aber das ganze Gebiet des Bundesstaats. Wegen der geringen Anzahl Einwohner und der kürzeren kritischen Grenzlinie darf man annehmen, dass der grösste Teil der Streitkräfte in Jammu und Kaschmir stationiert ist.

Dazu noch dies: In den 3 europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Schweiz) leben heute über 13 Mio. Muslime, dies sind in etwa gleich viele wie in Kaschmir. Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit und unter der Annahme, dass nach wie vor nur ein geringer Teil aller Muslime radikalisiert ist, darf davon ausgegangen werden, dass das Risiko ein Opfer von Anschlägen des «Radikalen Islam» zu werden in beiden Regionen in etwa identisch ist.

Auf Grund der massiven Präsenz von Sicherheitskräften in der Region, gehe ich davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit radikalisierte Elemente noch vor Ausführung ihrer Taten identifizieren zu können in Kaschmir weitaus höher liegt als hier bei uns!

Kaschmir Freeride Terrain

Gulmarg – steile Pulverschnee Abfahrten von 800 bis 1’000 Höhenmetern

Zum Schluss möchte ich feststellen, dass es keine absolute Garantie dafür gibt, dass wir nie Opfer von Terror Anschlägen oder anderen lebensbedrohenden Ereignissen werden. Im Leben gibt es nur eine Sache die 100% garantiert ist – wir sterben alle irgendwann! Wann, wie und wo bestimmt unser Schicksal. Wir müssen mit dieser Tatsache leben und sie akzeptieren, und fortfahren unser Leben zu leben und zu geniessen so lange wir können.

 

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