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27. Oktober 2014

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Gefahren in Kaschmir – Mein Fazit

von Chris Werren

Das Interesse an Pulverschnee Reisen nach Gulmarg in Kaschmir ist nach wie vor vorhanden und unsere Webseite wird regelässig für Informationsabfragen genutzt. Wie jedes Jahr taucht aber leider bei der Reiseplanung nach Kaschmir auch die Frage nach der Sicherheit auf und interessierte Gäste werden auf den offiziellen Webseiten vor Reisen in dieses Gebiet gewarnt, dies bereits seit bald 70 Jahren! Bevor ich aber ein paar relativierenden Angaben zu den aktuellen Risiken und Gefahren bei einer Ski Reise nach Gulmarg mache hier ein kurzes Video mit Impressionen zu einem perfekten Skitag am Berg welches zeigt das diese Pulverschnee Destination immer eine Reise wert ist!

Ich habe zum Thema „Sicherheit beim Skifahren in Kaschmir“ schon mehrere Blogs publiziert und darin versucht die Gefahrenlage nach bestem Wissen und Gewissen zu beschreiben. In den letzten 10 Jahren durfte ich mehr als 30 Monate in Gulmarg verbringen, insgesamt habe ich mich in den letzten Jahren mehr als 60 Monate in Nepal und im Norden Indiens aufgehalten. Aus diesem Grunde fühle ich mich kompetent genug die Risiken in Gulmarg für Besucher realistisch beurteilen zu können und ich kann auch mit gutem Gewissen bestätigen dass mir während dieser Zeit kein einziger Fall zur Kenntnis gebracht worden ist bei dem Touristen durch Gewalteinwirkungen verletzt worden wären und anderweitig schlecht behandelt worden sind. Die wenigen bekannten Einzelfälle in den letzten 70 Jahren betrafen Leute die entweder zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder die beim unbegleiteten Besuch von kritischen Gebieten nicht die erforderliche Vorsicht walten liessen.

Die aktuelle Gefahren Lage

Trotzdem gibt es im Moment bestimmte Punkte die man bei der Planung eines Ski Urlaubs nach Gulmarg im Auge behalten sollte, zwei sind eher allgemeiner Art und zwei betreffen Kaschmir.

Die zwei allgemeinen Punkte betreffen einerseits die potentiellen Gefahren welche aus Aktivitäten von ISIS Splittergruppen resultieren könnten, sowohl gegen die Menschen in islamischen Gebieten aber auch gegen Ziele im Rest der Welt, und andererseits die Angst vor der Ansteckung durch den Ebola Virus bei Aufenthalten an Orten mit vielen Menschen aus der ganzen Welt. Wer sich diesen Gefahren nicht aussetzen möchte muss zu Hause bleiben und jegliche Orte mit grösseren Menschen Ansammlungen meiden!  Ein bestimmtes Gefahrenpotential existiert tatsächlich bei Reisen ausserhalb der persönlichen Gewohnheitszonen, das Risiko ist aber bei weitem nicht so hoch dass daraus eine „Reise Paranoia“ gemacht werden sollte.

Bei Reisen nach Kaschmir kommen tatsächlich noch zwei weitere Gefahren Potentiale dazu und zwar das Risiko von wasserbezogenen Krankheiten nach den massiven Überschwemmungen im September 2014 einerseits und die häufigen Grenzkonflikte zwischen Indien und Pakistan verbunden mit Aktionen der Separatisten andererseits.

Was die wasserbezogenen Krankheiten angeht so sind bis heute keine Erreger festgestellt worden und dank den bereits kühleren Temperaturen sollte die Gefahr gebannt sein. Zu den wiedererwachten Auseinandersetzungen an der Grenze gilt es festzustellen dass es sich dabei um eine gewohnheitsmässige Präsenzdemonstration von beiden Seiten handelt die sich seit Jahrzehnten wiederholt. Sollte dabei der schlimmste Fall eintreffen so würden unsere Gäste in Gulmarg frühzeitig gewarnt und könnten Kaschmir rechtzeitig verlassen.

Zur Relativierung der Reisewarnungen möchte ich an dieser Stelle die vier meist genannten Gefahren Situationen bei Kaschmir Reisen kurz beschreiben und darlegen in wie weit Touristen davon betroffen sein könnten.

Periodische Streiks in Verbindung mit Steine werfenden Demonstranten

Wie fast überall auf der Welt haben auch die Menschen in Kaschmir immer wieder Gründe mit der Verfügbarkeit von öffentlichen Diensten wie Wasser, Strom, Telefon etc. nicht zufrieden zu sein oder um ihren Unmut über nicht genehme politische Entscheidungen zu äussern. Häufig sind diese Streiks gewaltfrei, ab und zu kann es dabei aber zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen wobei sich diese meistens gegen die Ordnungskräfte von Polizei und Armee richten, wie überall auf der Welt.

Die meisten dieser Streiks werden zum Voraus angekündigt und finden an definierten und uns bekannten Orten statt so dass unsere Gäste von den Ausschreitungen meistens gar nie erfahren.

Die Streiks sind meistens friedlich und dienen dazu um auf tatsächlich existierende Missstände aufmerksam zu machen. Im Verlaufe der vergangenen 10 Jahre gab es nur eine Periode mit gröberen gewalttätigen Auseinandersetzungen und zwar im Sommer 2010. Damals wurden vor allem Jugendliche und Studenten von Führern der Separatisten zur Teilnahme an Streiks motiviert und aufgefordert die Streik Unterstützung bei der Bevölkerung auch mit Gewalt durchzusetzen. Die ganze Aktion dauerte knapp 3 Monate und als der Sommer zu Ende ging waren auch die Ausschreitungen vorbei.

Seit dem Sommer 2010 ist es aber weitgehend ruhig geblieben allerdings kann es immer wieder zu ähnlichen Situationen kommen, in den Winter Monaten sind wir aber bisher davon verschont worden! Zum Schluss dazu noch der Hinweis dass auch im Sommer 2010 keine Touristen von den Demonstranten angegriffen, behindert oder verletzt worden sind, weder Besucher aus dem Ausland noch indische Reisende.

Spannungen zwischen Indien und Pakistan

Seit 1948 nutzen verschiedene Interessengruppen aus beiden Ländern Kaschmir als Übungsgelände für sporadische Machtdemonstrationen obwohl jeder weiss,  dass damit nie ein entscheidendes Ergebnis erzielt werden kann, weder für die Verursacher noch für die Kaschmiris. Aus diesem Grunde wechseln sich Verletzungen des Waffenstillstands, vereinzelte Terroranschläge und polemische Debatten in regelmässigen Abständen ab, meistens während den Sommer und Herbst Monaten.

Nach den ersten Kämpfen um Kaschmir in 1948 kam es zu zwei weiteren kurzen Kriegen zwischen Indien und Pakistan, zuerst 1965 ein vier Monate dauernder Krieg als letzte Konsequenz aus vorangegangenen Grenzverletzungen und dann im Mai 1999 der zwei Monate dauernde „Kargil Krieg“ der durch das Eindringen von pakistanischen Soldaten auf indisches Gebiet und Anschlägen von separatistischen Eindringlingen verursacht worden ist.  Auf Grund eines terroristischen Anschlags auf das indische Parlament folgte dann auf die zwei kurzen Kriege ab Dezember 2001 bis Oktober 2002 eine verstärkte Militarisierung des Grenzbereichs um das verstärkte Eindringen von Terroristen nach Kaschmir zu verhindern.

Wenn wir die Anzahl der Waffenstillstands-Verletzungen und anderer bewaffneter Auseinandersetzungen im Grenzbereich während der Sommer Monate sehen die seit 2002 jährlich stattfinden dann könnte man zum Schluss kommen dass der 1999 Krieg auch heute noch im Gange ist.

Ich habe mich im Verlaufe der vergangenen 10 Jahre jedes Jahr mehrere Wochen in Kaschmir aufgehalten, sowohl im Sommer wie auch im Winter, und habe mich während dieser Zeit nie bedroht oder anderweitig belästigt gefühlt. Dies ist eine Erfahrung die ich mit hunderten von internationalen Gästen und zehntausenden von indischen Reisenden teile welche Kaschmir vor, während und nach den Kriegsjahren besucht haben! Die bewaffneten Auseinandersetzungen können zwar nicht verneint werden, die Sicherheit von Touristen ist aber bis heute immer gewährleistet worden.

Aktivitäten der Unabhängigkeitsbewegungen in Kaschmir

Als Schweizer bin ich ein grosser Befürworter der nationalen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit und kann deshalb der Wunsch vieler Kaschmiris nach einem eigenen autonomen Staat verstehen. Ich weiss auch, dass Indien als grosse Demokratie vernünftige Initiativen zur Diskussion einer zukünftigen grösseren Unabhängigkeit bisher immer toleriert hat. Massnahmen hingegen die zur Rebellion aufrufen und die Gewalt oder terroristische Anschläge beinhalten werden jeweils sehr früh niedergeschlagen und die daran beteiligten Personen aus dem Verkehr gezogen.

Im Verlaufe der letzten 10 Jahre kam es nur nach der Exekution von Afzal Guru im Februar 2013 während einer kurzen Periode von 3 Wochen zu massiven Streiks mit isolierten gewalttätigen Auseinandersetzungen, andere ähnliche Vorkommnisse sind mir nicht bekannt.

Natürlich gibt es jedes Jahr eine geringe Anzahl von Anschlägen auf diverse Ziele und Einrichtungen an verschiedenen Orten in Kaschmir inklusive einiger Toten. Diese Anschläge richten sich aber hauptsächlich gegen die Armee und die Polizei. Die Verursacher werden in den meisten Fällen gefasst und in Haft genommen oder im Verlaufe der Auseinandersetzungen erschossen. Auch diese Anschläge finden vor allem während den Sommer Monaten statt weil dann das unauffällige Verschieben von Menschen und Material wesentlich einfacher ist als durch Schnee bedecktes Gebiet und auch weil dann viel leichter verborgene Unterschlupfs-Möglichkeiten gefunden werden als in den kalten Winter Monaten.

Gibt es in Kaschmir terroristische Anschläge? – Ja, haben sich diese Anschläge je auf Ausländer gerichtet? – meines Wissens nicht! Die Anschläge konzentrieren sich in erster Linie gegen die Institutionen der indischen Regierung und die Armee und nicht gegen Touristen die mit ihren Besuchen einen wichtigen Beitrag zur lokalen Wirtschaft leisten.

ISIS Sympathisanten

Nach den Taliban und Al Kaida ist in den islamischen Staaten mit ISIS eine neue Kraft entstanden welche eine Botschaft vermittelt die beim einen oder anderen Unterstützung findet, nicht nur in Kaschmir sondern auf der ganzen Welt. Aus Europa alleine sind bereits mehrere Tausend junge Menschen aufgebrochen um sich mit dieser Gruppe zu engagieren und es wird vermutet dass eine weitere beträchtliche Anzahl Menschen diesen Kampf befürworten und die sich zum Teil in einigen europäischen Städten schon mit Gewalt gegen Muslime gewandt haben welche sich von ISIS distanzierten. Bis jetzt wurden aber deswegen noch keine Reisewarnungen für europäische Länder ausgesprochen oder Wintersport Angebote in den Alpen annulliert.

Natürlich gibt es auch in Kaschmir vereinzelte ISIS Sympathisanten die an die Öffentlichkeit treten und bei Streiks und anderen Kundgebungen ihre schwarzen Flaggen schweifen. Die Bilder die ich gesehen habe zeigen aber nur eine Handvoll Demonstranten mit schwarzen Fahnen also in etwa dieselbe Anzahl die man bei ähnlichen Veranstaltungen in den westlichen Städten auch beobachten konnte! Während der „Ministerpräsident“ von Kaschmir die ISIS Präsenz verneint beobachtet der indische Sicherheitsdienst die Aktivitäten genau und hat bereits erste Verhaftungen durchgeführt, ein Vorgehen wie überall auf der ganzen Welt, in Kaschmir vielleicht nur etwas rascher und bestimmt konsequenter!

Sollten wir wegen ISIS besorgt sein? – Ja, ISIS ist eine Bewegung die im Auge behalten werden muss aber die Handvoll Fahnenträger in Kaschmir sind nur ein kleiner Teil eines Sympathie Ausdrucks für eine grössere Bewegung von leicht zu beeinflussenden jungen Menschen die gestern mit der pakistanische Flagge aufgetreten sind und vorgestern ihre Sympathien zu den Taliban oder Al Kaida demonstriert haben. Diese Art von Menschen waren bereits in den Jahren 1965, 1999, 2001 und während den grossen Demonstrationen im Sommer 2010 in Kaschmir und sie werden auch in den kommenden Jahren dort sein – genau wie in vielen anderen Ländern der westlichen Welt auch!

Zum Schluss möchte ich nochmals darauf hinweisen dass die immer wieder diskutierten Gefahren bei Kaschmir Besuchen seit bald 70 Jahren in der einen oder anderen Form vorhanden sind.  Wegen der deswegen erforderlichen verstärkten Präsenz von Sicherheitskräften werden vor allem Freiheiten der einheimischen Bevölkerung eingeschränkt Touristen allerdings sind bisher mit Ausnahme von ein paar wenigen isolierten Vorfällen nie zu Schaden gekommen. Dies betraf ein paar einzelne Personen die einfach Pech hatten oder welche es nicht für nötig hielten den Empfehlungen für Reisen in unbekannte Gebiete zu folgen.

Nach den Überschwemmungen im September 2014 braucht Kaschmir jede Unterstützung die man leisten kann. Menschen einzuladen ihren Urlaub in diesem Teil der Welt zu verbringen und damit Gelegenheiten zu schaffen, dass die einheimische Bevölkerung ihren Lebensunterhalt weiterhin selbstständig verdienen kann ist eine der besten und nachhaltigsten Formen Hilfe zu leisten – deshalb haben wir uns wie die meisten anderen Anbieter auch dazu entschieden unsere Pulverschnee Programme in Gulmarg auch im nächsten Winter anzubieten. Besucht uns und erlebt die Wirklichkeit so wie sie ist!

Mehr Informationen zu Gulmarg auch auf unserer Webseite: FSH – The Gulmarg Snow Experts

Gulmarg Ski Terrain

 

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