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26. Dezember 2016

Gulmarg 2017 – Befürchtungen und Besonderheiten

von Chris Werren

“Kaschmir war schon immer mehr als lediglich ein Ort, es ist ein Platz für Erfahrungen und für das Erleben von Gefühlszuständen sowie für das Entdecken von Idealen» Jan Morris

Bis zum Start der Ski Saison dauert es nur noch ein paar Wochen und zahlreiche Outdoor Sportler aus der ganzen Welt freuen sich darauf dieses einzigartige Skigebiet im Himalaya kennenzulernen.

Normalerweise schreibe ich so kurz vor Beginn der Saison keine Blogs über Gulmarg, leider sind aber während der vergangenen Wochen Dinge geschehen welche kommentiert und erklärt werden müssen.

Zuerst möchte ich aber festhalten, dass wir unsere Pulverschnee Programme in Gulmarg im Winter 2017 auf jeden durchführen und es freut mich, dass sich bereits einige Gäste zur Teilnahme entschieden haben.

Die Schlagzeilen über innere Unruhen und regelmässige Verletzungen der Waffenruhe zwischen Pakistan und Indian sowie die Entscheidung zum Rückruf aller sich im Umlauf befindlichen 500 und 1’000 Rupien Noten resultierten in Befürchtungen und Verunsicherungen bei Menschen die eine Reise nach Kaschmir geplant haben.

Mit diesem Blog möchte ich deshalb über die aktuelle Sicherheitslage in Kaschmir informieren und über die zu erwartenden Schwierigkeiten beim Wechseln und Bezug von Bargeld berichten.

Demonetisierung – Konsequenzen aus dem Bargeldrückruf

Fangen wir mit der bitteren Wahrheit an. Am 8. November 2016 hat die Regierung von Indien entschieden sämtliche sich im Umlauf befindenden 500 und 1’000 Rupien Noten per sofort aus dem Verkehr zu ziehen. Es wurde eine 50 Tage Frist gesetzt während der die nun ungültigen Noten entweder auf Bankkontos einbezahlt oder in täglichen Beträgen von INR 2’400 gegen neue Noten ausgetauscht werden konnten. Zudem wurde eine wöchentliche Bezug- und Umtauschgrenze von INR 24’000 festgelegt.

Es scheint, als ob die guten Zeiten der Bargeld basierenden Geschäftstransaktionen in Indien vorbei sind. Vor allem für Reisende die ihren Urlaub in Indien selbstständig organisieren und buchen und die benötigten Dienstleistungen im Land bar bezahlen möchten, kann die neue Situation zu einer erheblichen Herausforderung werden.

Ski Trip nach Gulmarg

Dal See, Srinagar, Kaschmir

Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, sollten die folgenden Vorschriften und Beschränkungen bekannt sein:

Obergrenzen beim Geldwechsel

Gemäss Vorschriften der indischen Zentralbank dürfen Touristen pro Woche nur noch den Gegenwert von INR 5’000 wechseln (ca. 70 USD/CHF/EUR). Das Datum des Geldwechsels und der Betrag werden im Pass vermerkt. Mehr dazu hier: https://www.rbi.org.in/Scripts/FAQView.aspx?Id=119

Es kann sein, dass man auf illegalem Weg zu Rupien kommen kann, allerdings zu einem extrem schlechten Wechselkurs und gegen eine «Service Charge» die zwischen 30% und 40% liegen soll. Nachdem aber viel zu wenig neue Banknoten verfügbar sind, werden solche illegale Wechselmöglichkeiten meist nur in grossen Städten angeboten und sollten meines Erachtens nur in äussersten Notfällen genutzt werden.

Obergrenzen für Bezüge an Geldausgabe Automaten

Seit dem 8. November 2016 sind alle Geldausgabe Automaten in Indien neu programmiert worden und erlauben jetzt maximale Bezüge von INR 2’000 bis INR 2’500 pro Tag und Karte. Es gibt Gerüchte, dass die Obergrenze erhöht wird, sobald genügend neue Noten produziert und an die Banken verteilt worden sind. Zur Zeit sind aber viele Banken noch nicht in der Lage ihre eigenen Bargeld Bedürfnisse zu befriedigen, trotz der niedrigen Beträge welche pro Tage bezogen werden dürfen!

Auf Grund der aktuellen Bargeld Knappheit und dem erwarteten Zeitaufwand für das erneute Umprogrammieren der Geldausgabe Automaten bin ich wenig zuversichtlich, dass sich die Ausgangslage in den nächsten Wochen verbessern wird.

Zahlen mit Kreditkarten

Gäste die selbstständig nach Gulmarg reisen sollten sich bewusst sein, dass nur sehr wenige Hotels und Läden (in der oberen Preiskategorie) ausgerüstet sind, um Kreditkarten Zahlungen zu verarbeiten. Zudem haben wir in Gulmarg regelmässige Strom- und Datenleitungs-Ausfälle welche diese Art von Transaktionen erschweren, verlangsamen und zum Teil verhindern. Gäste müssen wissen, dass Fahrkarten für die Bergbahnen, Jeep und Taxi Fahrten sowie die einheimischen Führer nur bar bezahlt werden können.

heevan

FSH Lodge – Unser Zuhause in Gulmarg

Die indische Regierung hat diese Demonetisierungs-Massnahme vor allem aus folgenden Gründen ergriffen:

  • Um den Bargeld basierenden «informellen» Wirtschaftszeig in einen Steuern zahlenden Geschäftsbereich umzuwandeln;
  • Zur Bekämpfung der Korruption die nach wie vor in vielen Bereichen der öffentlichen Verwaltung und im Geschäftsleben vorhanden ist;
  • Zur Verhinderung der Terror Finanzierung die in erster Linie mit Bargeld erfolgt.

Die Vision oder das Ziel der indischen Regierung ist es das Land zu einer bargeldlosen Gesellschaft zu verwandeln. Ich glaube deshalb, dass die Beschränkungen für Bargeld Bezüge und Einzahlungen noch lange in Kraft belieben werden.

Damit werden Geschäfte und Dienstleistungserbringer gezwungen in Infrastrukturen zu investieren die das bargeldlose Bezahlen möglich machen und die Bevölkerung hat keine andere Wahl als Bankkonten zu eröffnen umso eine Bankkarte zu erhalten oder um sich die Möglichkeit zu schaffen mit Handy und entsprechenden Bezahl-Apps zu bezahlen.

Soweit bekannt ist können Touristen in Indien zurzeit pro Woche INR 5’000 gegen Fremdwährung eintauschen und täglich pro Karte INR 2’000 bis INR 2’500 an Geldausgabe Automaten beziehen. Vorausgesetzt natürlich es ist in der Bank oder am Geldausgabe Automaten genügend Bargeld vorhanden und dass der Geldausgabe Automat in Betrieb ist. Schon in normalen Zeiten kommt es vor, dass der Geldausgabe Automat in Gulmarg leer oder wegen Stromausfall ausser Betrieb ist.

Für Touristen wird es deshalb nicht einfach sein ihren täglichen Bargeldbedarf zu erfüllen. Skifahrer in Gulmarg brauchen pro Tag

  • INR 2’000 für die Bergbahn Fahrkarten (Tageskarten werden häufig nicht verkauft und deshalb müssen Einzelfahrten gelöst werden;
  • INR 100 bis INR 300 für Snacks oder das Mittagessen am Berg;
  • Bargeld zum Bezahlen von Soft Drinks, Bier, etc., der dafür täglich benötigte Bargeld Betrag kann bis INR 500 oder mehr betragen.

Auf der Basis von Vergangenheitswerten schätze ich die Kosten für Fahrkarten und Jeep Fahrten auf INR 14’000 für 6 Ski Tage. Das beinhaltet den Wochenpass und eine beschränkte Anzahl von Jeep Fahrten für das Fahren im Wald und die Rückkehr ins Dorf nach der langen Talabfahrt nach Drang.

Für ihren Ski Urlaub in Gulmarg müssen Gäste mit Barausgaben von INR 20’000 bis INR 30’000 pro Woche rechnen, ohne Kosten für das Hotel.

Gästen die ihren Aufenthalt bei uns buchen empfehlen wir den Betrag für Ski Pass und Jeep Fahrten mit den Programm Kosten auf unser Konto zu überweisen und allfällige Mehrkosten dann in bar zu bezahlen.

Sicherheit in Kaschmir – Die aktuelle Lage

In den vergangenen Jahren habe ich zu diesem Thema eine Reihe von Blogs publiziert, das letzte Mal am 11. August 2016 zum Thema «Terror und die Angst vor Reisen» und habe darin über die damalige Lage in Kaschmir berichtet. In der Zwischenzeit hat sich die Lage wieder normalisiert und alles ist so wie wir es aus den vergangenen Jahren kennen.

Aufstieg Apharwat mit Blick auf Nanga Parbat

Aufstieg zum Mt. Apharwat 4’200 m, Sicht auf Nanga Parbat 8’126 m

Es kann nicht bestritten werden, dass die Vorkommnisse in unseren Regionen die Angst vor Reisen in von Muslimen dominierten Gebiete verstärken, es ist mir deshalb wichtig hier zu erwähnen, dass ich während meinen zahlreichen Reisen in den Mittleren Osten und nach Kaschmir nie feindliche oder gewalttätige Handlungen gegenüber Besuchern aus anderen Kulturkreisen erfahren habe.

Natürlich gibt es auch in Kaschmir Menschen die sich mit dem radikalen Islam identifizieren. Es sind Minderheiten wie bei uns auch, aber das Gefahren Bewusstsein und die Handlungsbereitschaft von Sicherheitskräften und Politik ist in Kaschmir weitaus höher und effizienter als wir es in Europa gerade jetzt wieder beobachten.

Streiks und Demonstrationen

Die Streiks und Demonstrationen im vergangenen Sommer waren intensiv und von Gewalt geprägt. Zur Bekämpfung der Demonstrationen haben die Sicherheitskräfte zuerst versucht die Menschen Ansammlungen mittels Stock- und Gummigeschoss-Einsätzen zu brechen und zu vertreiben. Im August haben sie dann einen Taktik Wechsel vollzogen und Tränengas eingesetzt. Statt die Demonstranten zu vertreiben wurden nun Massenverhaftungen vorgenommen, was sich inzwischen als erfolgreich erwiesen hat.

Es finden kaum mehr Demonstrationen statt und die Menschen haben angefangen die Streik Aufrufe zu ignorieren. Heute rollt der Verkehr, Geschäfte sind offen und die Menschen gehen wieder ihrer Beschäftigung nach. Nach dem Rückruf der 500er und 1’000er Rupien Noten sind den Streikorganisatoren zudem die Bargeldmittel ausgegangen um ihre Durchsetzungskräfte bezahlen zu können.

Ich kann leider nicht garantieren, dass wir im kommenden Winter von Streiks verschont bleiben. Wir wissen aber wie wir damit umgehen müssen, um unseren Gästen Unannehmlichkeiten zu ersparen. Meistens sind es nur die Fahrten vom und zum Flughafen die zu einer Herausforderung werden können.

A Winter Morning in Gulmarg

Ein Winter Morgen in Gulmarg

Verletzungen des Waffensillstands an der Demarkationslinie und der Grenze

Waffenstillstandsverletzungen zwischen Indien und Pakistan finden seit mehreren Jahren regelmässig statt und sind kein Grund zur Panik. Manchmal beschiessen sie sich einmal im Monat, manchmal mehrmals wöchentlich und gelegentlich mehrmals täglich. Mit dem Einzug des Winters kommen diese Vorfälle aber mehr oder weniger zum Erliegen, speziell im Kaschmir Tal wo das Schnee bedeckte, gebirgige Terrain im Winter zu einem natürlichen Schutzwall wird.

Aus den Berichten in der lokalen Presse und in indischen TV Kanälen entnehme ich, dass es seit gut einem Monat keine nennenswerten Vorfälle mehr gegeben hat. Mit anderen Worten, auch an der Grenze hat sich die Lage beruhigt.

Terror Anschläge

In den vergangenen Wochen konnten wir wieder eine Reihe von Konfrontationen zwischen Terroristen und Sicherheitskräften beobachten. Meistens waren es Schusswechsel, entweder, weil die Terroristen Armee Einrichtungen angegriffen hatten oder weil sie in ihren Verstecken aufgespürt worden sind. Solche «Terror Anschläge» sind seit Jahren regelmässige Vorkommnisse und sind meistens Angriffe auf Einrichtungen der Armee oder der Sicherheitskräfte.

Wie ich schon in meinen früheren Blogs erklärt habe, ist Gulmarg zu abgelegen und militärisch wie auch sicherheitstechnisch zu stark besetzt um für die typischen, kleinen Terror Teams zu einem idealen Ziel zu werden. Zudem ist es im Winter nahezu unmöglich unentdeckt ins Gebiet zu gelangen.

Können Terror Anschläge in Gulmarg vollständig ausgeschlossen werden? Natürlich nicht, nicht in Gulmarg aber auch an keinem anderen Ort auf der Welt den wir besuchen möchten.

gulmarg-guest-group

FSH Gäste Gruppe, Mt. Apharwat Gipfel 4’200 m

Zusammenfassend möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass wir uns von den oben erwähnten Vorkommnissen nicht abhalten lassen unsere Programme auch im 12. Winter in Kaschmir durchzuführen. Ich werde ab dem 20. Januar 2017 wieder persönlich in Gulmarg sein und bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind möglichen Vorkommnissen so entgegenzuwirken, dass sie unseren Programm Ablauf nicht behindern.

Seit 2006 haben wir eine Organisationstruktur aufgebaut die uns erlaubt mit allfälligen Problemen wegen der Demonetisierung umzugehen und sind auch in der Lage für die Sicherheit unserer Gäste zu sorgen. Wir sind ein professionelles und erfahrenes Team welches schon seit Jahren zusammenarbeitet. Vom privaten Sicherheitsdienst im Hotel, den Führern und Fahrern bis zur Equipe im Bewirtungs- und Betreuungsbereich werden wir alles daran setzen unseren Gästen einen perfekten Aufenthalt in Gulmarg zu garantieren.

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